Da ich mich in den letzten Jahren ausgiebig mit Beziehungen zwischen Mann und Frau beschäftigte, möchte ich daran veranschaulichen, wie sich meine innere Einstellung zum Leben veränderte.

Blauäugig und gutgläubig

Ich denke, ich war ein ziemlich netter Kerl, der nichts böses tat und auch nichts böses erwartete. Ich glaubte, was mir die Leute erzählten. Ich vertraute ihnen. Damit war ich wohl ziemlich blauäugig und naiv.

In Bezug auf Frauen sah für mich die Welt genauso aus. Ich dachte, einmal würde ich meine Traumfrau finden, dann sei alles super und halte für ewig. Ich wollte mich nicht verstellen und ich war einfach wie ich war.

Mit Frauen wollte es nicht so richtig klappen. Ich hatte zwar eine fünfjährige Beziehung und ein paar kürzere, aber ich war kein Frauenschwarm. Viele Frauen fanden mich sympathisch, aber sie gingen nicht mit mir ins Bett.

Alles in allem war ich nett und passiv. Ich glaubte an ewige Liebe, aber ich erlebte sie nicht. Ich hoffte, sie irgendwann zu finden.

Verführungsszene und Machtkampf

Dann entdeckte ich, dass es bestimmte Verhaltensweisen gibt, mit denen Männer besser bei Frauen ankamen. Ich begann die Dynamik zwischen Mann und Frau zu studieren und experimentierte mit meinem eigenen Verhalten. Ich lernte, dass Frauen zwei Gefühle empfinden müssen, so dass sie sich mit einem Mann einlassen: sexuelle Anziehung und Wohlfühlen. Durch sein Verhalten kann der Mann diese beiden Gefühle in der Frau steuern. Ist er stark und dominant, so begehren sie ihn. Ist er fürsorglich, so fühlen sie sich bei ihm wohl.

Ich dachte als Mann müsste man die Interaktionen mit Frauen immer kontrollieren und zu jedem Zeitpunkt das „richtige“ Verhalten an den Tag legen, also übte ich das während ein paar Jahren.

Viele Frauen standen nun auf mich. Ich hatte einige Affären, jedoch zu einer wirklich ernsthaften Beziehung kam es nicht. Häufig verlor ich ziemlich rasch das Interesse an den Frauen, die ich „rumgekriegt“ hatte. Und die Frauen, für die ich mich mehr interessierte, kriegte ich nicht rum oder sie verloren bald das Interesse an mir.

Je weniger ich einer Frau nachlief, desto mehr hatte ich die Kontrolle. Ich dachte ich müsse noch mehr die Kontrolle haben, also hörte ich komplett auf, Frauen in irgendeiner Form nachzulaufen. Entweder sie lief mir nach oder es wurde nichts.

Ich konnte schon ziemlich gut loslassen und haftete nicht mehr gross am Gedanken an, eine bestimmte Frau „rumzukriegen.“ Es kam mir nicht mehr sehr drauf an, ob etwas draus wurde oder nicht. Ich genoss, hatte eine gute Zeit und dann schaute ich, was daraus wurde.

Zu einer längeren Beziehung kam es immer noch nicht. Oft war ich eine Weile mit einer Frau zusammen, dann aber begann sie auf irgendeine Art Drama zu veranstalten. Sie zickte. Ich interpretierte das so, dass die Frau mit einem Vorwand versuchte unsere Interaktion zu kontrollieren. Ich fühlte mich manipuliert und ich wollte keine Frau, die mich manipuliert. Also liess ich sie fallen.

Es gibt überall auf der Welt Männer, die sich in der „Verführungsszene“ gegenseitig austauschen und die genannten Ideen bis in die kleinsten Details untersuchen und anwenden. Meine andere Website hat hier ihren Ursprung: http://www.frauenverstehen.ch.

Die gleichen Ideen gibt es natürlich auch für Frauen. Die Zeitschriften sind voll davon. Dort findet man Ratschläge wie: „Rufe niemals zuerst an,“ „sage das erste Date zuerst ab“ oder „beende Telefongespräche immer als erste.“

Es geht immer um das gleiche: man versucht sich selbst interessant zu machen, so dass der andere einen jagt. Man will die Kontrolle übernehmen.

Alles in allem sah ich die Beziehung zwischen Mann und Frau als Machtkampf, den es zu gewinnen galt.

Meine bisherigen Beziehungen waren nicht wie ich mir das erhofft hatte. Sie wurden dadurch für mich zu einer Nebensache. Ich konnte mir nicht vorstellen, dafür meine Freiheit aufzugeben.

Das langsame Aufhören der Spielchen

Dann traf ich vor etwa zwei Jahren eine Frau, die kein Theater machte. Wir meldeten uns gegenseitig. Keiner lief dem anderen nach.

Etwas war mit ihr anders. Sie war wirklich authentisch. Sie zickte nicht um meine Aufmerksamkeit zu erhalten. Wenn sie etwas störte, so sprach sie es ehrlich an. Sie nahm es nicht als Anlass für Drama, mit dem sie mich manipulieren konnte. Wir konnten vernünftig über alles reden.

Ich hatte eine authentische Frau kennengelernt. Wir passten nicht ganz zusammen, aber die Geschichte war gegenseitig und vollkommen ehrlich.

Was war anders? Ich war nett und sie konnte den Wert darin schätzen. Sie nützte es nicht aus. Sie verlor deswegen nicht das Interesse. Ich musste keine Spielchen spielen. Wir beide genossen diesen Zustand.

Ich war wohl in einer Entwicklungsstufe angekommen, wo ich mit einer Frau zusammen sein konnte ohne jegliche Spielchen zu spielen und ohne mich künstlich interessant zu machen. Obwohl unsere Beziehung nach etwa einem halben Jahr auseinander ging, so hatte ich doch gesehen, dass es tatsächlich möglich ist, eine authentische Beziehung zu führen. Natürlich setzt das eine authentische Frau voraus.

Ich hatte gesehen, dass die ganze Theorie mit dem gegenseitigen Machtkampf mit Frauen, den es zu gewinnen galt, damit Anziehung und Wohlfühlen vorhanden war, irgendwann überholt ist.

Bei der Entwicklung gehts nicht darum, Interaktionen besser zu kontrollieren und den Machtkampf besser zu gewinnen. Es geht nicht darum, bessere Sprüche und Antworten bereitzuhalten. Auch wenn dies in einer gewissen Entwicklungstufe sehr hilfreich ist und enorm viel bessere Erfolge bei Frauen bringt, so ist trotzdem dieses Verhalten irgendwann überholt.

Da merkte ich, dass „sich selbst sein“ die stärkste Verhaltensweise ist, die es überhaupt gibt.

Was es heisst sich selbst zu sein? Na ja, da kommt wieder die Entwicklung ins Spiel. Ab einer bestimmten Stufe ist das einfach klar. Es wird klar, wer man ist, was man will, was man tut, wen man in seinem Leben will und wen nicht.

Die Angst nicht das vom Leben zu erhalten oder etwas zu verpassen verschwindet irgendwann. Man will genau, was jetzt ist.

Mit meiner jetzigen Freundin erlebe ich nun wirkliche Liebe. Meine bisherige Angst, meine Freiheit zu verlieren, wird immer kleiner. Ob ich nun ewige Liebe gefunden habe, weiss ich natürlich nicht. Wie will ich das jetzt auch wissen? Was ich jedoch erlebe, ist genau wie ich mir eine Beziehung schon immer erhofft hatte.

Mir scheint, dass ich jetzt genau das erlebe, wonach die Menschen die ganze Zeit suchen. Sie versuchen dies jedoch in äusseren Dingen oder anderen Menschen zu finden. Allerdings kann nichts davon die innere Unzufriedenheit eliminieren. Haben wir jedoch die innere Harmonie gefunden, so funktionieren auch die äusseren Dinge im Leben, wie auch Beziehungen.

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