Kürzlich hatte ich einen kleinen Streit mit einem Kollegen eines Kollegen. Da wurde mir klar, warum es für manche Leute sehr schwierig ist, einen Konflikt zu lösen.

So ging unser kleiner Streit vonstatten

Mein Handgelenk schmerzte mich. Ich glaube es war verstaucht oder so. Jedenfalls gab ich diesem Kollegen des Kollegen meine Hand und er drückte kräftig zu. Es schmerzte mich und ich sagte es ihm. Da drückte er kräftiger zu und ich sagte ihm lauter, es schmerze mich. Er drückte kräftiger zu. Irgendwann liess er dann los. Ich war sauer. Da sagte ich laut zu ihm, er hätte sich benommen wie ein Vollidiot und erklärte nochmals das mein Handgelenk verstaucht sei und es schmerze. Es war laut in unserer Umgebung und er war wohl betrunken. Er schien nicht zu begreifen, was er getan hatte. Nun wurde er böse, weil ich ihm gesagt hatte, er sei ein Vollidiot und er beschwerte sich deshalb lautstark bei mir. Ich schaute ihm mit dem finstersten Blick den ich drauf hatte in die Augen und sagte ihm er hätte sich benommen wie ein Vollidiot. Nach einer Weile schweigsam böse schauen, musste ich schmunzeln über diese Situation und meine Wut. Ich konnte das nicht mehr ernst nehmen und ging weg.

Später am Abend war dieser Kollege des Kollegen immer noch sauer und er fing immer wieder mit diesem Streit an und dass ich nicht so hätte schimpfen dürfen. Mich interessierte das nicht mehr und ich hatte keinen Bock mehr weiterzustreiten. Erst ignorierte ich seine erneuten Streitversuche, dann sagte ich: „Komm schon. Was passiert ist, ist passiert. Es ist jetzt vorbei. Jetzt gehts wieder von neuem los.“ Da hörte er auf.

Wie man einen Konflikt löst…

Als erstes muss man aufhören, Öl ins Feuer zu giessen! Man muss die Vergangenheit vergessen und die Situation annehmen, in der man sich jetzt befindet. Das heisst nicht mehr darüber nachdenken, wer was getan hat und wie man in diese Situation gekommen ist. Das ist jetzt nicht mehr relevant.

So und nun überlegt man, wie man sich in der jetzigen Situation verhalten soll. Die Frage ist: was muss jetzt getan werden, das für beide das beste ist?

Warum das manchen Leuten verdammt schwer fällt

Sie haben sich in den Gedanken verstrickt, dass sie den Konflikt gewinnen müssen.

Sie haben das Gefühl, dass sie etwas verlieren könnten, wenn sie aufhören zu streiten. Sie denken, dass sie ihre Ehre oder ihren Stolz bewahren müssen. Sie können nicht einfach loslassen und dann das tun was jetzt nötig ist.

Das ist auch der Grund, warum der Kollege meines Kollegen sich nicht einfach entschuldigen konnte. Dann wäre nämlich die Ursache für meine Wut sofort verschwunden und der Konflikt wäre unmittelbar vorbei gewesen.

Klar, auch ich hätte es einfach sein lassen können, als er meine Hand losgelassen hatte. Aber ich war wütend und da konnte ich das erst eine Minute später.

Ein politisches Beispiel

Kürzlich sah ich ein Gespräch mit Christoph Blocher, einem ehemaligen schweizer Bundesrat. Es ging um eine Geiselnahme von Schweizern im Ausland. Anscheinend überlegten sich verschiedene Politiker in diesem Zusammenhang, ob die Schweiz eine Sondereinheit ins Ausland schicken solle, um die Geiseln zu befreien.

Blocher kritisierte diese Überlegungen scharf. Er meinte, dass das gefährliche an der Situation sei, dass es eben die Aussicht gäbe zu gewinnen. Es fühle sich gut an, dass man diese Situation gewinnen könne. Aber es sei falsch. Denn man könne natürlich diese eine Situation gewinnen, aber danach würde der Konflikt weitergehen und könne bis zu einem Krieg führen.

Warum ich das überhaupt schreibe?

Was ich für die Konfliktlösung beschrieben habe, hat natürlich wieder einmal etwas mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun. Je weiter man ist, desto einfacher fällt es loszulassen und desto weniger will man den Konflikt gewinnen. Man möchte lieber den Konflikt beseitigen und jetzt eine Lösung finden, die für alle Beteiligten stimmt. Man möchte eine Win-Win-Situation herbeiführen. Natürlich ist das nicht so einfach, wenn der andere gewinnen will.

Das war übrigens wieder einmal eine Beschreibung, was es heisst, im jetzigen Moment zu leben!

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